Afghanistan-Debatten

sonstige Notizen

Afghanistan-Debatten

Beitragvon redaktion am Mo 11. Jan 2010, 08:24

Afghanistankonferenz 2010
Afghanistan-Konferenz soll Rückzug einleiten

Die Afghanistankonferenz muss ein klares Programm zum RÜCKZUG erarbeiten, denn jede "Befriedungsstrategie" wird scheitern.

Die Analyse muss aufrichtiger sein:

Der Afghanistankrieg begann völkerrechtswidrig, denn die Terroranschläge vom 11.9.2001 taugten als Kriegsgrund so wenig, wie ein Attentat zum 1.Weltkrieg führen durfte.

Und die Terrorabwehr, z.B. die Sicherheit auf Flughäfen, lässt sich nicht durch Gemetzel auf dem Hindukusch leisten.

Was die Sowjetunion mit 200.000 Soldaten nicht schaffte, kann auch den heutigen Alliierten nicht gelingen.

Die Interventionsmächte haben den Menschen dieser Region keine politische Alternative zu bieten und sind unglaubwürdig hinsichtlich ihrer Wertepostulate.

Der politische Abstand ist so groß, dass "Freund und Feind" zu schwer zu unterscheiden sind, um keine Kriegsverbrechen zu begehen.

Konsequenzen:

1. Verhandlungen mit den "Islamisten" und Abzug, auch wenn solche Verhandlungen scheitern, denn "der Westen" wird nicht bereit sein, ein Wirtschaftsentwicklungsprogramm aufzustellen, das zu politischen Entspannung führt.

2. Es braucht Asyl-Regelungen für Afghanis, die bemüht waren, mit den Interventionsmächten zu kooperieren.

3. Pakistan soll auf Atomwaffen verzichten.

4. NATO, Russland und China müssen auf ihre Konkurrenzspielchen verzichten.

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nebenbei >> ich würde mich für Afghanistan nicht verpflichten lassen, kann also schon deshalb nicht einverstanden sein, dass andere verpflichtet werden.
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Zu Westerwelles "Aussteigerprogramm"

Beitragvon redaktion am Mo 25. Jan 2010, 14:40

Westerwelle brachte ein Aussteigerprogramm für Talibankämpfer ins Gespräch. Bloßen Mitläufern sollen wirtschaftliche Anreize geboten werden, um ... was eigentlich? Um vom Kampf abzulassen oder um in diesem Konflikt die Seite zu wechseln, um besser gestellt zu werden als andere Afhanis, die zuvor nicht für die Taliban kämpften? Taliban-Mitläufer als ökonomisches Sprungbrett? Das ist es ohnehin - und nun in die andere Richtung? Das halte ich für einen aussichtslosen Wettbewerb, denn je prekärer die Verhältnisse in einem Land sind, desto leichter "verdient" sich die Existenzgrundlage mit der Kalaschnikow als mit der Maurerkelle.

Zurecht befürchten Kritiker eines solchen Programms, dass es die korrupten Strukturen stärken werde. Korruptes taugt nicht zur Zivilisierung von Konflikten, auch wenn sich das Westerwelle davon erhofft, weil er als Parteipolitiker möglicherweise selbst ein gestörtes Verhältnis zu Anreizsystemen hat.

In Betracht käme allerdings ein Aussteigerprogramm, das ausnahmslos jeden Kämpfer amnestiert, der sich zur Waffenniederlegung entschließt, aber die Entscheidungskompetenz muss bei den Afghanis liegen, ob eine solche Generalamnestie oder eine individuelle Amnestie zum Zuge kommt. Das kann von den Interventionsmächten allenfalls angeregt werden, allenfalls eine Bedingung für weiteren Truppenverbleib sein. Vorbildhaft könnten die "Wahrheitskommissionen" sein, die es in Südafrika nach dem Zusammenbruch des Apartheidsystems gab, wenngleich kein Gnadenszenario ohne faden Beigeschmack sein kann.

Ein Aussteigerprogramm darf jedenfalls nicht dazu führen, dass die Friedlichen im Umgang mit den Unfriedlichen übergangen oder sogar benachteiligt werden.

"Überläufer ködern" - das ist wenig originell, Herr Westerwelle, denn gerade in den widerlichsten Kriegen typischer Teil des Programms. Es schadet der eigenen Glaubwürdigkeit, sowohl ins Lager der mutmaßlichen Feinde als auch ins Lager der mutmaßlichen Freunde. Wer Frieden bewirken will, muss die Verfeindeten zu Gemeinschaftsaufgaben bringen.
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DOKU: Westerwelles BT-Rede v. 10.02.2010

Beitragvon redaktion am Sa 13. Feb 2010, 21:26

Bundesminister Westerwelle vor dem Deutschen Bundestag zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Die verheerenden Anschläge des 11. September im Jahre 2001 waren nicht allein ein Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika; sie waren ein Angriff auf die Grundlagen und die freiheitlichen Werte der Völkergemeinschaft. Die internationale Gemeinschaft hat mit beispielloser Geschlossenheit auf diese Herausforderung reagiert. Auch Deutschland folgte dem Aufruf des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, der die Situation in Afghanistan als Bedrohung für den Weltfrieden einstufte. Heute beteiligen sich mehr als 40 Nationen unter dem Mandat der Vereinten Nationen am Einsatz in Afghanistan.

Wie die internationale Gemeinschaft hat auch Deutschland in der Frage, ob wir dort, in Afghanistan, Verantwortung übernehmen, Geschlossenheit bewiesen. Es war die Regierung von Gerhard Schröder und Joseph Fischer, die die Bundeswehr erstmals nach Afghanistan entsandte. Die Regierung von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier hat diesen Einsatz fortgeführt. Heute bitte ich Sie für die amtierende Bundesregierung um Ihre Zustimmung zur Fortsetzung der Beteiligung der Bundeswehr an dem NATO-geführten Einsatz in Afghanistan. Dieser Einsatz im Rahmen von ISAF dient vor allem dem Ziel, unsere eigene Sicherheit zu schützen. Afghanistan darf nie wieder Rückzugsort des Terrors werden. Wir sind aber auch dort, um unserer mitmenschlichen Verpflichtung nachzukommen. Millionen Frauen und Männer setzen ihre Hoffnungen in uns.

In den acht Jahren unseres Engagements in Afghanistan haben wir einiges erreicht. Wir haben dazu beigetragen, dass die Menschen in Afghanistan Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern haben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wir haben dazu beigetragen, dass neue Schulen gebaut worden sind. Heute können in Afghanistan 7 Millionen Kinder regelmäßig unterrichtet werden, fünfmal mehr als zu Zeiten der Schreckensherrschaft der Taliban.

Mit Wassertanks, Saatgut und Bewässerungsprojekten haben wir dazu beigetragen, dass über 250.000 Haushalte in Nordafghanistan die Chance haben, in der Landwirtschaft eine Lebensperspektive zu finden. Nicht zuletzt haben die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Landes geleistet. Das sieht auch die übergroße Mehrheit der afghanischen Bevölkerung so.

Meine Damen und Herren, eine ehrliche Bestandsaufnahme ergibt aber eine gemischte Bilanz unserer bisherigen Anstrengungen. Im letzten Jahr hat sich die Sicherheitslage erneut verschlechtert. Afghanistan versorgt noch immer rund 90 Prozent des Weltmarktes mit Opium. Längst nicht alles in Afghanistan ist heute so, wie wir es uns vor acht Jahren erhofft hatten. Deshalb hat Frank-Walter Steinmeier recht, wenn er sagt, ein einfaches Weiter so werde nicht reichen, um Afghanistan dauerhaft zu stabilisieren. Diese Bundesregierung hat deshalb von Beginn an für einen Neuanfang in Afghanistan gearbeitet. Das ist keine Kritik an denen, die vor uns Verantwortung für das deutsche Engagement getragen haben. Es ist die notwendige Konsequenz aus den Lehren der letzten Jahre.

Die Londoner Konferenz ist ein Neuanfang. Fast 70 Staaten haben in London gemeinsam mit der Regierung von Präsident Karzai einen Strategiewechsel beschlossen.

Der besondere Erfolg von London liegt in der gegenseitigen Verpflichtung Afghanistans auf der einen und der internationalen Gemeinschaft auf der anderen Seite. Für London hat die afghanische Regierung erstmals ganz konkret und überprüfbar dargelegt, wie sie ihre Ziele bessere Regierungsführung, Rechtstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und Reduzierung des Drogenanbaus erreichen will. Im Gegenzug hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, ihre Anstrengungen zu erhöhen, damit die Afghanen ihre selbstgesteckten Ziele auch in einem überschaubaren Zeitraum erreichen können. Dazu werden wir den Wiederaufbau Afghanistans verstärken, die Wirtschaft beleben und die innere Aussöhnung voranbringen. Wir waren uns in London außerdem einig, dass wir den Aufbau selbsttragender Sicherheitsstrukturen rascher vorantreiben müssen, um uns eine realistische Abzugsperspektive zu erarbeiten.

Damit gilt auch international, was wir uns für unser deutsches Engagement vorgenommen haben: Wir wollen die Übergabe der Verantwortung in Verantwortung. Ein einfaches Weiter so ist keine Alternative. Ein einfaches Weggehen und Wegsehen ist es auch nicht.

Meine Damen und Herren, jetzt kommt es darauf an, die Beschlüsse von London in die Tat umzusetzen. Den deutschen Beitrag hierfür hat die Bundeskanzlerin vor zwei Wochen vor diesem Hohen Haus vorgestellt. Afghanistan braucht die innere Aussöhnung. Das ist zunächst Aufgabe der Afghanen selbst. Die internationale Gemeinschaft unterstützt sie mit einem Reintegrationsfonds. Deutschland hat während der Konferenz in Aussicht gestellt, in diesen Fonds jährlich bis zu 10 Millionen Euro einzuzahlen.

Es geht darum, diejenigen anzusprechen, deren Gefolgschaft die Macht der Taliban und der Terroristen erst ausmacht. Wir wollen die Mitläufer von dem harten terroristischen und fundamentalistischen Kern trennen. Diese Mitläufer sind junge Männer ohne Perspektive, die meist weder lesen noch schreiben können, die für ein paar Dollar bereit sind, zur Waffe zu greifen. Diesen Menschen wollen wir friedliche Alternativen des Broterwerbs in ihren Dörfern eröffnen. Das Programm ist also im Kern ein Ausbildungs- und Beschäftigungspaket.

Bei der Umsetzung dieses Programms und der Verwendung der entsprechenden Gelder werden die afghanische Regierung und die internationale Staatengemeinschaft eng zusammenwirken. Noch in diesem Frühjahr wird eine Konferenz in Kabul über das weitere Vorgehen beschließen.

Die Bundesregierung wird ihre Anstrengungen für den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau im Norden verstärken und hat sich dafür konkrete, nachprüfbare Ziele gesetzt:

Wir werden die Programme zur ländlichen Entwicklung ausweiten, damit bis 2013 3 Millionen Afghaninnen und Afghanen Arbeit und Einkommen haben.

Wir werden unsere Anstrengungen für die Gesundheitsversorgung erheblich ausweiten. In allen vier Provinzen, die im deutschen Verantwortungsbereich liegen, werden wir Krankenhäuser aufbauen und besser ausstatten.

Wir werden die Verkehrsinfrastruktur verbessern und so die Basis für wirtschaftliches Wachstum und mehr Sicherheit legen. Zusätzliche 700 Kilometer ganzjährig nutzbare Straßen sollen ländliche Gebiete erschließen und sie mit den Städten und Märkten ihrer Distrikte verbinden.

Wir werden mehr Lehrerinnen und Lehrer ausbilden und Schulen bauen, damit weitere 500.000 Kinder unterrichtet werden. Mittlerweile sind ein Drittel der Schulkinder Mädchen.

Insgesamt will die Bundesregierung die zivilen Mittel für Afghanistan verdoppeln. Ausdrücklich danke ich Bundesminister Niebel, der sich für den zivilen Aufbau besonders engagiert.

Selbsttragende Sicherheitsstrukturen sind die Voraussetzung für eine Abzugsperspektive für unsere Soldatinnen und Soldaten. Darum tun wir in Zukunft deutlich mehr für die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte.

Zwischen Afghanen und internationaler Gemeinschaft ist eine Zielgröße von 300.000 afghanischen Sicherheitskräften vereinbart. Dies ist nötig, damit Präsident Karzai sein Ziel erreichen kann, bis zum Jahr 2014 die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan vollständig zu übernehmen.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren jährlich rund 5 000 afghanische Polizisten aus- und fortzubilden. Dafür wollen wir die Zahl unserer Polizeitrainer auf insgesamt 260 erhöhen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in Abstimmung mit den Bundesländern unser Ziel erreichen, diesen Aufwuchs schon bis Mitte des Jahres abzuschließen. Ausdrücklich danke ich Bundesminister de Maizière und den Bundesländern für diesen wichtigen Beitrag.

Deutschland wird den Schwerpunkt seines militärischen Engagements noch stärker auf die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte legen. Dies erreichen wir vor allem durch eine Umschichtung im bestehenden Kontingent. Obwohl wir bereits heute 4.500 Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan haben, sind nur 280 mit der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte betraut. Jetzt stocken wir das Mandat lediglich um 500 weitere Soldaten auf, vergrößern aber die Ausbildungs- und Schutzkomponente auf 1.400 Männer und Frauen.

Ergänzend beantragt die Bundesregierung, eine flexible Reserve von 350 weiteren Soldaten zu schaffen. Damit wollen wir sicherstellen, auch in Sondersituationen angemessen reagieren zu können. Schon jetzt ist absehbar, dass während der Wahlen im September für eine vorübergehende Zeit mehr Kräfte Sicherungsaufgaben übernehmen müssen. Auf diese Fälle wollen wir vorbereitet sein. Das gebietet auch unsere Verantwortung gegenüber den Frauen und Männern in Uniform. Einsätze dieser Reserve werden stets zeitlich befristet sein und erst nach Befassung des Auswärtigen Ausschusses und des Verteidigungsausschusses erfolgen.

Diese Neumandatierung ist ein Teil des in London beschlossenen breiten politischen Ansatzes für eine Übergabe der Verantwortung. Ich danke ausdrücklich Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Neufassung des Mandates.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer die Übergabe der Verantwortung in den kommenden Jahren schaffen will, der muss heute seine Anstrengungen verstärken. Wir tun heute mehr, um uns eine klare Abzugsperspektive zu erarbeiten: Anfang nächsten Jahres wollen wir in Abstimmung mit der afghanischen Regierung und unseren internationalen Partnern damit beginnen, regional die Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu übergeben. Ende des Jahres 2011 wollen wir so weit sein, unser eigenes Bundeswehrkontingent reduzieren zu können. Im Jahr 2014 wollen wir Präsident Karzais Zielmarke erreichen, dass die Afghanen die Verantwortung für ihre Sicherheit im ganzen Land selbst übernehmen.

Das ist eine realistische Perspektive, auf die wir hinarbeiten wollen und werden. Aber es ist kein konkretes Abzugsdatum. Ein solches zu nennen, wäre eine Ermutigung der Terroristen, also ein Fehler.

Zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme gehört auch, die Realitäten in Afghanistan so zu benennen, wie sie sind.

Die Bundesregierung hat sehr sorgfältig die Frage geprüft, wie die Lage im Norden Afghanistans zu bewerten ist. Die Intensität der mit Waffengewalt ausgetragenen Auseinandersetzung mit Aufständischen und deren militärischer Organisation führen uns zu der Bewertung, die Einsatzsituation von ISAF auch im Norden Afghanistans als bewaffneten Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts zu qualifizieren. Ob uns das politisch gefällt oder nicht, so ist die Lage. Ob wir es so nennen oder nicht, so ist die Lage. Die Lage beim Namen zu nennen, sind wir all denen schuldig, die sich vor Ort den Gefahren aussetzen.

Diese rechtliche Qualifizierung der objektiven Einsatzsituation von ISAF hat Konsequenzen für die Handlungsbefugnisse der Soldaten, für die Befehlsgebung und für die Beurteilung des Verhaltens von Soldaten in strafrechtlicher Hinsicht. Sie hat keine Auswirkungen auf das Mandat, für das wir um Zustimmung bitten. Sie hat auch keine Auswirkungen auf den Einsatz unserer Polizisten. Unsere Polizisten wurden und werden ausschließlich im Norden Afghanistans und ausschließlich zu Ausbildungszwecken eingesetzt. Für ihren Einsatz ist entscheidend, dass wir ihn angesichts der tatsächlichen Sicherheitslage verantworten können. Fürsorge hat höchste Priorität. Unsere Polizisten arbeiten nur dort, wo die Bundeswehr für Sicherheit eintritt. Darauf haben wir uns auch mit den Ländern einvernehmlich verständigt.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Bundesregierung hat vor der Londoner Konferenz ein umfassendes Konzept für Afghanistan vorgelegt. Die Kernelemente unseres Konzepts finden sich in den Ergebnissen von London wieder. Wenn Sie unvoreingenommen prüfen, was wir in London erreicht haben, werden Sie vieles wiedererkennen, was auf Anregungen und kritische Fragen aus diesem Hohen Haus zurückgeht. Die enge Einbindung des Parlamentes ist mir sehr wichtig. Die Ergebnisse der Konferenz sind nicht nur ein Erfolg der Teilnehmerstaaten, sie sind gewiss nicht nur ein Erfolg der Bundesregierung; es handelt sich um einen Erfolg für alle, die in diesem Hause zur Neuausrichtung unseres Engagements beigetragen haben, aus allen Fraktionen. Es ist also auch Ihr Erfolg. Ich bitte Sie daher, dass Sie der Versuchung widerstehen, das Notwendige und Richtige zu unterlassen. Das wäre der Größe unserer Aufgabe und auch der Ernsthaftigkeit unseres Engagements nicht angemessen.

Lassen Sie mich zum Abschluss den mutigen Männern und Frauen danken, die in Afghanistan sich auch von hohen Risiken nicht schrecken lassen und mit großem Einsatz tätig sind. Den zivilen Aufbauhelfern, den Polizisten aus Bund und Ländern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes und den tapferen Frauen und Männern der Bundeswehr gebührt unser aller Respekt.

Ihnen und ihren Familien möchte ich von Herzen danken. Sie verdienen das Vertrauen der Bundesregierung und des ganzen Bundestages. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zum Antrag der Bundesregierung.
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Mission impossible

Beitragvon redaktion am Sa 13. Feb 2010, 23:03

Großoffensive mit 15.000 Soldaten und neuer Strategie?

Die Rede ist von zwei Toten auf Seiten der Regierungskräfte und zwanzig getöteten Talibankämpfern. In dieser Woche habe eine Großoffensive um die Mardscha begonnen, eine Stadt inmitten der weitgehend von Taliban beherrschten Provinz Helmand im Südwesten Afghanistans. An der Strategie sei neu, dass die zur Hälfte aus afghanischen Soldaten bestehenden Offensivkräfte die Stadt anschließend halten und eine regierungstreue Verwaltung absichern sollen. Die Truppenstärke solle gewährleisten, dass auf den Einsatz schwerer Waffen verzichtet und Infrastruktur geschont werde, damit sich die Offensive nicht diskreditiere usw.
Mag man der Berichterstattung glauben, so verläuft die Großoffensive bislang ohne größere Kampfhandlungen, was für derart ungleiche Kräfte immerhin typisch wäre, aber nicht minder typisch in Attentaten seine Fortsetzung hat, wenn da politisch zu wenig überzeugt.

Rein in die Kriege ist immer leicht. Wie auch die bloße Zerstörung. Und es ist so viel nicht nur Porzellan zerschlagen, dass eine Wende mir nur viel weiter hinten vorstellbar ist.
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Mehr Soldaten, kaum verändertes Konzept

Beitragvon redaktion am Di 2. Mär 2010, 15:42

wikinews hat geschrieben:Bundestag beschließt mehr Truppen für Afghanistan – Linksfraktion sorgt für Eklat

Berlin (Deutschland), 26.02.2010 – Zum fünften Mal seit dem Beginn des Afghanistan-Einsatzes der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe für Afghanistan (ISAF) im Jahr 2001 beschloss der Bundestag heute mit den Stimmen der Regierungskoalition und der SPD die Ausweitung des Truppenkontingents am Hindukusch. Waren ursprünglich – im Dezember 2001 – 1.200 Soldaten für eine begrenzte Zeitdauer von sechs Monaten nach Afghanistan entsandt worden, so erhöhte sich die Zahl der Soldaten der Bundeswehr, die in Afghanistan Dienst tun müssen, von zuletzt 4.500 auf nun bis zu 5.350 Soldaten. Verlängerungen des Afghanistan-Einsatzes wurden seit dem Jahr 2001 praktisch jedes Jahr vom Deutschen Bundestag beschlossen. Inzwischen sind Bundeswehrsoldaten seit neun Jahren in Afghanistan stationiert.
Das neue Mandat steht unter einer veränderten strategischen Ausrichtung des Einsatzes. Die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte soll ein größeres Gewicht erhalten. In diesem Rahmen soll die Zahl deutscher Polizeiausbilder in Afghanistan von 280 auf 1.400 steigen. Rund 430 Millionen Euro lässt sich der Bundestag die zivile Aufbauhilfe für Afghanistan kosten.
429 Abgeordnete stimmten für den Antrag der Bundesregierung, darunter die Fraktionen der Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP, sowie die SPD-Fraktion. 111 Abgeordneten stimmten mit Nein. Zu den Gegnern einer Verlängerung des Afghanistan-Mandates gehörten die Fraktionen der Grünen und der Linkspartei. 46 Abgeordnete enthielten sich der Stimme.
Vor der Abstimmung kam es zu einem Eklat. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) schloss die Fraktion der Linken von der Sitzung wegen eines Verstoßes gegen die Geschäftsordnung von der Debatte aus, weil die Abgeordneten der Linkspartei Plakate hochhielten, auf denen die Namen von Opfern des NATO-Luftangriffs auf zwei Tanklaster im September nahe Kundus standen. Die Abgeordneten der Linkspartei verließen daraufhin den Plenarsaal. An der Abstimmung über die Verlängerung des Bundeswehr-Mandates durften sie dann auf Beschluss des Plenums jedoch wieder teilnehmen.
Am 4. September 2009 hatten US-Kampfflugzeuge auf Befehl von Bundeswehr-Oberst Klein zwei Tanklastzüge angegriffen. Dabei waren bis zu 142 Menschen, darunter möglicherweise über hundert Zivilisten, getötet worden. Der Bundestag hat dazu einen Untersuchungsausschuss eingerichtet.
Die Linken betrachteten ihre Plakataktion während der Bundestagsdebatte als „einen Akt des Gedenkens“ (Gesine Lötzsch). Der Bundestag habe bisher eine solche Geste noch nicht gezeigt.
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Kundus-Untersuchung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Beitragvon redaktion am Sa 27. Mär 2010, 11:33

Es ist unverschämt, dass der Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Kundus-Massaker keine wirkliche Öffentlichkeit zu den Anhörungen zulassen will und den Antrag von Phoenix-TV abwies. Zwar dürfen einige Journalisten anwesend sein, aber so werden sich interessierte Bürger nur aus zweiter Hand informieren können.

Ein CDU-Sprecher trug vor, dass der Untersuchungsausschuss in Gegenwart von TV-Kameras zu einer parteipolitischen Show verkommen würde. Das kann nicht überzeugen, denn trifft viel eher auf die Bundestagsdebatten zu, wenn in minutenlangen Reden Allgemeinplätze gegeneinander stehen, während das Frage-Antwort-Szenario im Untersuchungsausschuss Allgemeinplatz-Predigern weit weniger Bühne verschafft.

Es scheint, dass Guttenbergs großspurige Ankündigung, sich auch vor laufenden Kameras befragen lassen zu wollen, so ernst nicht gemeint sein kann, sonst hätte es der CSU-Minister allemal auch bei seinen Parteikollegen im Untersuchungsausschuss durchgesetzt. Seine Ankündigung war in allen wichtigen Medien dick geschlagzeilt, aber leeres Versprechen.

27. November 2009
Jungs Rücktritt mit falscher Begründung

Der Rücktritt aus dem Kabinett war nach den Enthüllungen zu erwarten und richtig, aber die Begründung ist falsch, denn es geht nicht nur um ein Kommunikationsproblem, etwaige Schwindeleien und Imageschäden, sondern um die falsche Kriegsstrategie, dass militärische Gewalt ohne Notwehrsituation überhaupt zur Anwendung kommt, auch wenn ausschließlich Talibankämpfer getötet wären.
Dass Herrn Jung die Bundeswehrsoldaten ein "Herzensanliegen" waren, soll für deren obersten Dienstherren zwar sein, aber wer für Frieden und Freiheit kämpft, nicht nur für eigenes Obsiegen, dem muss eben auch das Leben der Feinde "Herzensanliegen" sein, sonst ist es klassisches Kriegsverbrechen. - Und der Luftangriff vom 4. September 2009 war ein Massenmord, ein Massaker.

26. November 2009
Afghanistan: Luftangriff und späte Enthüllungen

Der Luftangriff vom 4.September 2009 auf Tanklaster - und 142 Tote, darunter eben doch sehr viele Zivilisten. Was wusste wann und wer? Die Rücktritte von Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan und sowie Staatssekretär Peter Wichert lassen auf Versagen schließen, beantworten jedoch die Frage nicht.
Allemal falsch waren die Erklärungen des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Jung, der trotz alliierter Kritik am Tag nach dem Bombardement behauptet, es seien ausschließlich Taliban-Kämpfer zu Tode gekommen. Später räumte Jung ein, möglicherweise habe es auch zivile Opfer gegeben. Aber wenn man seinen Äußerungen von heute glauben dürfte, dass er den Zwischenbericht zu dem Vorfall nicht gelesen, sondern weitergeleitet habe, dann hätte ihn der Vorfall nicht interessiert.
Jung ist zwar inzwischen nicht mehr Verteidigungsminister, aber dürfte für Merkel auch als Arbeitsminister nicht mehr verkraftbar sein.
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"Gut ausgebildet" zu den Taliban

Beitragvon redaktion am Mo 29. Mär 2010, 13:35

Seit einigen Tagen wird berichtet, dass von Deutschland zu Polizisten ausgebildete Afghanis aus Gründen schlechter Bezahlung zu den Talibankämpfern überlaufen. Noch herrscht Stillschweigen, wie viele es sind, obwohl es zumindest Schätzungen geben wird. Und wie schaut es mit der Armeeausbildung aus? Wie viele Waffen kommen weg und dann einschließlich Ausbildung in Umkehrrichtung zum Einsatz?

Nur eine Zahl wurde veröffentlicht: ca. "16 Prozent" der afghanischen Polizisten seien drogenabhängig.
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Neusprech von Niebel, Guttenberg, Karsai

Beitragvon redaktion am Di 6. Apr 2010, 10:10

"Niebel bringt Soldaten heim", titelt eine Zeitung. Nicht alle Soldaten, sondern drei Soldaten in Särgen und acht Verletzte. "An die Adresse der Taliban", so hatte er verkündet: "Wir lassen uns nicht einschüchtern!" und "Ein schändlicher Angriff". Damit ist nicht die versehentliche Tötung afghanischer Verbündeter gemeint, die im Unterschied zur Bundeswehr leichtsinnig auf gepanzertes Fuhrwerk verzichteten, sondern auf den Ladefläche zweier Pickups unterwegs waren - auf Präsentiertellern irgendwie frei zum Abschuss - oder schoss man zurück, was Missverständnisse zumindest ein bisschen hätte ausschließen können?
Minister Guttenberg befasst sich derweil noch immer mit Sprachproblemen, ob die kriegsähnlichen Wirren in der vereinfachten Wahrnehmung des einfachen Menschen auch "Krieg" genannt werden könnten - zuweilen schlagen Raketen mitten in Kabul ein.
"Karsai beunruhigt Verbündete‎", titelt eine andere Zeitung, denn der afghanische Präsident bezichtigt den Westen des Wahlbetrugs und der Kampagne gegen ihn. Vielleicht versteht er, dass es einen Sündenbock für das Misslingen braucht, aber er will es nicht sein? Wer dann? Schröder, Fischer, Struck und Unionsparteien?
Überdies soll Karsai gedroht haben, zu den Taliban überzulaufen, falls die Militäroffensiven ohne Autorisierung der regionalen Afghanen fortgesetzt werden. Das klingt grad so, als könnte Guttenberg von unseren Soldaten als "besatzerähnlichen" Truppen sprechen. Das soll aber nicht. Darum hätte Karsai womöglich recht - und der Oberbefehl gehört in afghanische Hand. Ansonsten sollte sich dem kriegsähnlichen Bundesminister der niederlageähnliche Abmarsch empfehlen.

Noch steht bzw. telefoniert die Allianz: Merkel und Karsai sprachen sich gegenseitig das Beileid aus.
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Bundeswehr "schlecht ausgerüstet, schlecht ausgebildet"

Beitragvon redaktion am Di 6. Apr 2010, 22:34

Nach dem Tod von drei Bundeswehrsoldaten überschlagen sich die Experten in Kommentaren, wie unzureichend die Ausrüstung, der Nachschub und sogar auch die Ausbildung sei. Dass der Schusswaffengebrauch nur einmal pro Quartal stattfinde, würde allerdings tatsächlich überraschen. Stimmt das? Dann sollte die Bundeswehr keine afghanischen Soldaten ausbilden wollen, sondern sich selbst bei den Taliban im Schießen üben - mitsamt der angeblich fehlenden Geländeausbildung.
Was machen die eigentlich in den Kundus-Kasernen? Wie groß sind die Aktionsräume, wenn es an Geländekenntnissen fehlt? Nicht einmal "Google-Earth"?

Und die "schlechte Ausrüstung": Es fehle an gepanzerten Fahrzeugen bzw. die Panzerung sei zu schwach usw., aber was sollen dann erst die afghanischen Verbündeten mit ihren Pickups sagen? Menschenleben zweiter Klasse. - Daran scheitert die "Friedensmission".
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Vier tote Bundeswehrsoldaten

Beitragvon redaktion am Do 15. Apr 2010, 20:42

In Eilmeldungen seit den frühen Nachmittagsstunden heißt es, dass in der Nähe der Stadt Baghlan vier Bundeswehrsoldaten getötet und weitere verletzt wurden.

Guttenbergs verlängert seinen Afghanistan-Aufenthalt, hatte eine schwülstige Rede an einer Art Gedenkmauer für die Gefallenen gehalten und kündigte weitere Aufrüstungen an. Beispielsweise sollen im Mai zwei schwere Haubitzen vom Typ "Panzerhaubitze 2000" die Truppe verstärken. Mit einem Leergewicht von 49 Tonnen pro Stück keine leichte Anlieferung und auch dort eine schwerfällige und gegen Guerilla eher absurde Bewaffnung. Heavy Metal ist eben keine Erfindung von Rockmusikern, sondern klassische Neigung von Militaristen, die aus Geschichte nicht lernen möchten, auch nicht aus sowjetischen Fehlern.

Reinen Wein einschenken?

Derweil wechselte Phoenix-TV das Programm gegen Sondersendungen. Immer wieder wird Guttenberg zitiert, wie er so tut, als hätte er reinen Wein einzuschenken, aber die Geständnisse, die mittlerweile sein Markenzeichen wurden, sind falsch, wenn er beispielsweise behauptet, dass jahrelang "über alle Parteigrenzen hinweg" und auch "die Medien" ein verharmlosendes Bild vom Afghanistan-Einsatz gezeichnet hätten, denn das trifft schon auf die Linkspartei nicht zu, auch nicht auf die vielen Menschen "über alle Parteigrenzen hinweg", die von Anfang an den "Krieg gegen den Terror" als wahnsinnigen Irrweg verurteilten und dem Bild vom Brunnen bauenden Soldaten nicht trauten.
Es waren genau diese Leute wie Guttenberg, die der Bush-Regierung in bedingungsloser Gefolgschaft unter dem Vorwand transatlantischer Bündnispflichten den Angriffskrieg auf Afghanistan als "Verteidigungsfall" und "humanitären Einsatz" salonfähig machten. Und diese Leute machen jetzt auf "Betroffenheit".

Braucht es ein neues Mandat?

Der SPD-Vorsitzende Gabriel fordert ein neues Bundestagsmandat, wenn jetzt von "Krieg" die Rede sei, der es dann offenbar für die SPD-Chefetage noch immer nicht ist. Oder will die SPD plötzlich der Union den Kriegsdienst verweigern? Dazu labert Guttenberg kess: "Manchmal lohnt es sich, ein Mandat zu lesen." - Und im Grundgesetz steht davon nichts.

Die Soldaten haben zu wenig Rückhalt im Hinterhalt von Afghanistan? Dann sollen Schröder. Fischer, Merkel mitsamt Sippschaften auf den Hindukusch - Brunnen bohren.
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Will Anne Will im Kundus für Deutschland sterben?

Beitragvon redaktion am Mo 19. Apr 2010, 12:00

Das Thema der gestrigen Anne-Will-Talkshow: "Gefallen in Afghanistan – gestorben für Deutschland?"

Nun hätte sich die Moderatorin ja mal selbst oder ihre Gäste fragen können, wer denn von ihnen bereit sei, zwischen den Mohnfeldern Afghanistans "für Deutschland zu sterben". Klare Frage, klare Antwort - das wäre nicht minder unterhaltsam und der Einschaltquote nicht abträglich, aber den Kriegsbefürwortern Dirk Niebel, Michael Wolffsohn und Kerstin Müller sollte es gemütlich bleiben.

Die sieben in den letzten Tagen getöteten Soldaten sind "nicht für Deutschland gestorben", sondern für die falsche Politik von Bush, Schröder, Fischer, Merkel und Leuten, die den Terrorismus mit Krieg erwiderten - und damit die Welt nicht sicherer machten, sondern tiefer spalteten, unsicherer machten.

"Der Krieg wurde geerbt" - Nein, mit solchen Sprüchen darf sich nur rechtfertigen, wer gegen diesen Krieg war. Die Gäste Dirk Niebel (FDP) und Kerstin Müller (GRÜNE, war Staatsministerin von Fischer) und Militärhistoriker Wolffsohn steht das nicht zu, sondern sie können "stolz" darauf sein, dass für ihre Karrieren andere Menschen mit dem Leben bezahlten. Sind sie darauf "stolz"? In einer Doku-Einblendung von der Beerdigung wollte Verteidigungsminister Guttenberg uns erzählen, dass seine "kleinen Töchter" ihn gefragt hätten, ob sie auf die getöteten Soldaten "stolz sein dürften". Wie rührend, aber auch wahr? Gesülze ohne intellektuellen Gehalt, aber dem ministeriellem.

"Die Soldaten wurden nach Afghanistan geschickt und haben einen Anspruch auf Solidarität." - Nein, Soldaten einer freiheitlichen Gesellschaft sind kein Frachtgut, werden nicht als willenlose Befehlsempfänger verschickt, sondern sind für ihr Tun mitverantwortlich. Jeder kann den Kriegsdienst verweigern und jederzeit, jedenfalls als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

"Respekt für die Soldaten"? - Ja, aber wie für jeden Menschen, und zwar auch erkennbar werdend für die Soldateska der Taliban, sonst gibt es keinen Frieden. Wer auf die physische Auslöschung des Feindes setzt, macht sich den Taliban in deren vermeintlichen Zielsetzungen gleich, ist friedensunfähig. Diese bittere, aber eigentlich bessere Lehre hatte die Sowjetunion aus ihrem Afghanistankrieg zu ziehen, aber der erkenntnisresistente Militärhistoriker Wolffsohn lernt aus gar nichts und lehrt trotzdem.

"Mission erfolgreich zum Abschluss bringen"? - Unmöglich, auch nicht mit 300.000 Soldaten, ob 2011 oder 2013, 2017. Möglicherweise ist es möglich, sich militärtechnisch noch tiefer einzugraben, so dass es nicht zum Rauswurf kommt, aber das ist kein Erfolg, sondern kommt einer Beerdigung gleich. Und das ist die Entwicklung des Bundeswehreinsatzes der letzten Jahre.

"Politische Ziele reduzieren?" - Diese Frage kam in der Talksendung nicht, und überhaupt kommt sie zu kurz, aber wäre eine logische Erwägung. Beispielsweise Reduzierung auf Regionen, in denen mehr Sicherheit, mehr Aufbau sei. Doch auch das scheint wenig hoffnungsvoll, denn wie sähen solche Inseln westlicher Freiheitlichkeit aus der Perspektive der hiesigen Politiker und dortigen Bevölkerung aus?
"Mädchenschulen" - feine Sache. Aber auch Dieter Bohlen und ein bisschen Las Vegas? Das Erfolgskonzept von RTL und Ackermännern kommt nicht allerorten gut, denn Dekadenz setzt Überfluss voraus, sonst funktioniert es auch innenpolitisch nicht friedlich.
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Unzumutbare Verschleierung

Beitragvon redaktion am Fr 23. Apr 2010, 09:40

Die gestrige Aussage Guttenbergs im Untersuchungsausschuss zur Bombardierung vom 4.Sept.2009 ist durch den Ausschluss der Öffentlichkeit vollends wertlos, jedenfalls für die völkerrechtliche Beurteilung, denn die Berichte seiner Parteifreunde und der Opposition kommen über parteitaktischen Unfug nicht hinaus, in dessen Bezugsrahmen sodann auch die Berichte der ausgewählten Medienvertreter blieben. Sachlich unbegründet ist weiterhin, warum Guttenberg seine Einschätzung der Bombardierung ins Negative revidierte und Militärs feuerte, jetzt aber den für das Massaker unmittelbar Verantwortlichen entschuldigt sehen möchte. Und das, obwohl es neue Indizien für einen noch fragwürdigeren Tathintergrund gibt, denn nach Recherchen von "Monitor" (ARD) könnte es sich um eine Aktion "gezielten Tötens" gehandelt haben, um einen bei den Tanklastzügen vermuteten Taliban-Anführer zu vernichten. Indizien, deren Qualifizierung zum Beweis wahrscheinlich nur an der Verschleierungstaktik des Bundesverteidigungsministeriums und aus Gründen reaktionär verstandener Staatsräson scheitert.

Desgleichen die gestrige Regierungserklärung bzw. Kriegserklärung der Bundeskanzlerin vor dem Bundestag. Populistische Gefühlsduselei für "unsere Soldaten" anstelle völkerrechtlich tragfähiger Argumentation. Schließlich noch der deppische Kommentar von Deppendorf in den ARD-Tagesthemen, der auch nicht recht weiß, was die Zukunft bringe. - Bringt alles nichts. Es braucht volle Akteneinsicht für die Friedensforschung und Bürger.
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Afghanistan-Krieg kostet Deutschland 1,5 Mrd. €

Beitragvon redaktion am Mo 26. Apr 2010, 12:46

Zunächst mal kostet der Krieg viele Menschenleben, aber auch Geld. Laut www.Wirtschaftswoche.de vom 24.04.2010 verausgabt Deutschland allein in diesem Jahr mehr als 1,5 Mrd. € für den Afghanistan-Krieg:
1,059 Milliarden Euro aus dem Verteidigungsministerium,
250 Millionen Euro aus dem Entwicklungshilfeministerium,
181 Millionen Euro aus dem Außenministerium,
12 Millionen Euro aus dem Innenministerium.
Bislang habe der "Afghanistan-Einsatz" Deutschland ca. 6,2 Milliarden Euro gekostet.

RECHNE MAL WIEDER !
6,2 Mrd. € / 81.853 Mio. Bürger = 75,75 € Kopfpauschale = "preisgünstig"
Etwas teurer wird es allerdings noch, da dieser Krieg schuldenfinanziert ist und wohl auch noch dauern wird.
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Sprüche vom Staatsbegräbnis

Beitragvon redaktion am Di 27. Apr 2010, 11:27

Allen, die den staatlichen Trauergottesdienst verpassten und Informationsdefizite fürchten, nachstehend ein bisschen Doku:
„Wir können nicht begreifen, was geschehen ist. Warum dieser Tod?“, zitiert der FOCUS den katholischen Militärdekan Hartmut Gremler, obwohl einem Militärdekan und "Fakten, Fakten, Fakten" eigentlich klar sein sollte, dass der unnatürliche Tod rein empirisch zur Natur des Krieges gehört.

"Man muss sich immer wieder die Gefahren für die jungen Männer und Frauen in Afghanistan klarmachen", soll Merkel gefordert haben. Wem will sie das klarmachen? Doch wohl am ehesten den "jungen Männern und Frauen", die diesem Risiko ausgesetzt werden. Und den Eltern, die es zulassen, dass ihre Kinder für die "Verteidigung Deutschlands am Hindukusch" geopfert werden.

"39 tote Bundeswehrsoldaten" in den ersten acht Jahren. Diese Zahl ist präsent. Ist die Zahl der von "unseren jungen Männern und Frauen" getöteten Taliban vergleichbar bekannt?

Wem das Leben des Feindes weniger zählt als das eigene Leben, muss acht geben, dass er nicht mehr Krieg als Frieden missioniert. Das sagte der Militärdekan nicht - und auch nicht die Bundeskanzlerin, schon gar nicht Guttenberg. Liegt es daran, dass ihnen der Glaube an die Sündenvergebung gemeinsam ist und wichtiger als die Verpflichtung zur Aufrichtigkeit?
Die Heuchelei kann ihnen niemand beweisen, aber auch sie können nicht beweisen, dass ihnen "unbegreiflich" sei, wenn die von ihnen in Kriege geschickte Soldaten getötet werden.
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Re: Afghanistan-Debatten

Beitragvon manstein2 am Sa 8. Mai 2010, 21:33

1. zur Kunduz-"Affäre"

Es war von den Taliban angekündigt worden, dass die Taliban einen Angriff auf das dt. Lager planten.
Abgesehen davon sind der Taliban der Feind, der getötet werden muss, unabhängig davon ob gerade konkret jetzt einen Angriff plant oder nicht.
Dass dabei Zivilisten umgekommen sind ist sowohl aus humanistischer Sicht (die mir persönlich relativ egal ist) als auch aus strategischer Sicht bedauerlich.

Der Oberst hat aber trotzdem richtig gehandelt, lieber vernichte ich 100 Feinde oder auch Unschuldige als dass ích dass Leben der Kameraden gefährde.
Dass führt uns auch schon zum nächsten Punkt:

2. Natürlich ist das Leben des Feindes geringer einzuschätzen als das eigene bzw. das der Kameraden. Sonst würde man ja nicht schießen.
Den Respekt vor dem Feinde muss man deswegen trotzdem nicht ablegen, im Gegensatz zu den meisten meiner Kameraden bewundere ich die Taliban für ihren Mut, ihre Todesverachtung und ihren Kampfeswillen.

3. Unabhängig davon ob der Krieg aus machtpolitischen Erwägungen heraus begonnen wurdem oder nicht steht auf jeden Fall fest, dass die LEbensumstände des afghanischen Vollkes vor 2001 untragbar waren (aus humanistischer Sicht) und dass die Mehrheit der Bevölkerung das Talibanregime nicht zurückwill.
Es ist deshalb heuchlerisch als Humanist den Abzug der ISAF Truppen zu verlangen.
manstein2
 
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Friedensforscher zu Afghanistan

Beitragvon redaktion am Di 18. Mai 2010, 14:40

Presseerklärung 2010
Vorstellung des Friedensgutachtens am 18. Mai 2010 in Berlin von Christiane Fröhlich

Friedensforscher fordern: Bürgerkriegsstaaten reformieren. Aus Kriegsparteien politische Konkurrenten machen.
Als Friedensforscher beschäftigen wir uns tagtäglich mit Aufständen, Kriegen, Gewalt. Wir analysieren Opferzahlen und Waffentypen und formulieren Risikoszenarien. Ein krisensicherer Job, sagt der Blick in die globale Konfliktrealität. Doch hinter den abstrakten Zahlen verbergen sich reale Menschen, reales Leid. Dies in Erinnerung zu rufen und daraus politische Schlussfolgerungen zu ziehen, darauf zielt Friedensforschung.

Wie die gegenwärtige Afghanistan-Debatte zeigt, braucht die deutsche Politik und Öffentlichkeit die kritische Auseinandersetzung über die Rolle Deutschlands in bewaffneten Konflikten; wir wollen mit dem jährlich erscheinenden Friedensgutachten dazu beitragen, indem wir Wege aus dem Krieg aufzeigen. Wir stellen es nicht nur hier vor der Bundespressekonferenz, sondern auch bei Bundestagsabgeordneten und in den einschlägigen Ministerien vor. Außerdem diskutieren wir es bundesweit in Podiumsdiskussionen, etwa heute Abend im französischen Dom hier in Berlin, sowie Anfang Juni in Brüssel.

Das Friedensgutachten erscheint seit 1987; es wird gemeinsam von den fünf führenden deutschen Friedensforschungsinstituten herausgegeben. Unsere deutschen und internationalen Autorinnen und Autoren gehören zu den besten ihres Faches; ihnen gilt unser Dank ebenso wie der Deutschen Stiftung Friedensforschung, die das Friedensgutachten auch dieses Jahr wieder gefördert hat.

Das Friedensgutachten 2010 überprüft die neue Afghanistanstrategie und formuliert Handlungsoptionen mit dem vorrangigen Ziel, die Sicherheit der Menschen in Afghanistan zu verbessern. Unser Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Frage, wie sich Aufständische weltweit in die konstruktive Lösung innerstaatlicher Konflikte einbeziehen lassen. Wir analysieren zudem den Nuklearstreit mit Iran, schlagen Schritte in eine atomwaffenfreie Welt vor und untersuchen die Folgen der Weltwirtschaftskrise für Rüstungsbudgets, arme und schwache Staaten.

Die Bilanz nach fast neun Jahren Afghanistankrieg ist katastrophal. Die bisherige Afghanistanpolitik ist gescheitert. Ob und wie die Aufständischen mit der neuen Strategie militärisch zurückzudrängen sind und ein legitimer und funktionsfähiger Staat zu erreichen ist, lässt sich nicht vorhersagen. Zu fragil ist der afghanische Staat, zu korrupt seine Regierung, zu fragmentiert seine Gesellschaft. Zu widersprüchlich sind auch die Interessen von Afghanistans Nachbarn. Nur eins scheint sicher: Sofern es überhaupt noch gelingt, das Land zu stabilisieren, werden traditionelle afghanische Machtstrukturen stärker berücksichtigt und Abstriche bei Demokratie- und Menschenrechtsstandards gemacht werden müssen. Das vorrangige friedenspolitische Ziel muss es sein, die Sicherheit der Menschen in Afghanistan nachhaltig zu verbessern, auch wenn dies bedeutet, dass Afghanistan weniger „westlich“ ist als gedacht.

Wir fordern, dass sich Friedenspolitik entschieden mehr als bisher mit innergesellschaftlichen Kriegen befasst. Zwar ist die Zahl zwischenstaatlicher Kriege zurückgegangen, nicht aber die der Bürgerkriege, Aufstände und anderer Spielarten innerstaatlicher Gewalteskalation. Sie dauern oft Jahre, fordern einen hohen Blutzoll und zerstören die gesellschaftlichen Fundamente ohnehin schwacher Staaten. Das Friedensgutachten 2010 präsentiert kreative Strategien, mit denen sich Gewaltakteure in politische Kontrahenten, Konkurrenten, gar Kooperationspartner verwandeln lassen. Dazu gehören materielle Anreize und Sicherheitsgarantien für die, die man politisch reintegrieren will, institutionelle Arrangements, Machtbeteiligung, vor allem aber staatliche Reformen, um den Regierenden mehr politische Legitimität zu verschaffen. Dieser Weg ist der mühsamste, aber er verspricht den nachhaltigsten Erfolg. Keine Konfliktpartei darf dabei von vornherein ausgeschlossen werden; wer nichtstaatliche Gewaltakteure pauschal als Terroristen denunziert, unterstützt nicht selten staatliche Gewalttäter und schließt potenzielle Partner für Friedensverhandlungen aus.

Zudem greifen wir im Friedensgutachten 2010 einmal mehr die Vision einer atomwaffenfreien Welt auf. Sie gewinnt in dem Maß prominente Fürsprecher, in dem das Risiko wächst, dass Terroristen an Atomwaffen oder Spaltmaterial für den Bombenbau gelangen könnten. Trotz erster Erfolge ist der Weg zu Global Zero noch weit. Die NATO-Staaten müssen ihre Atomwaffen nach und nach abrüsten und ihre Sicherheits- und Militärdoktrinen entsprechend umstellen. Wir plädieren dafür, endlich alle taktischen US-Atomwaffen aus Deutschland abzuziehen. Die Bundesregierung sollte im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags für den Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen eintreten und auf einen europäischen Aktionsplan Global Zero drängen. So kann Europa zu einem Motor für eine atomwaffenfreie Welt werden.

Im Nuklearstreit mit Iran halten wir die weitere Verschärfung der Sanktionen für wenig aussichtsreich. Die Staatengemeinschaft sollte stattdessen die Leistungen würdigen, die Iran bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms aus Afghanistan und bei der Bekämpfung des Drogenhandels erbringt. Zudem sollte Washington die diplomatischen Beziehungen mit Teheran wieder aufnehmen und unmissverständlich signalisieren, dass die USA keinen Waffengang gegen iranische Nuklearanlagen oder einen gewaltsamen Regimewechsel beabsichtigen. Das heißt nicht, die Augen vor der Unterstützung der libanesischen Hisbollah zu verschließen oder die martialischen Drohungen des iranischen Präsidenten gegen Israel zu ignorieren. Aber es würde die Kritik daran glaubwürdiger machen.

Schließlich warnen wir davor, den Folgen der Weltwirtschaftskrise mit verstärktem Rüstungsexport zu begegnen, auch wenn dies unseren eigenen Industrien hilft, die Krise abzufedern. Wir fordern einen verbindlichen Waffenhandelsvertrag, mit dem sich völkerrechtliche Standards zur Beurteilung von Kauf-, Verkaufs- und Transitgeschäften festschreiben lassen.

Für Länder der Dritten Welt und fragile Staaten kann die Weltwirtschaftskrise katastrophale Auswirkungen haben. Die Situation der Ärmsten der Armen hat sich bereits signifikant weiter verschlechtert. Nüchterne Sicherheitskalküle verbieten es, die besonders schwachen Mitglieder der Staatenwelt mit den Folgen der Krise sich selbst zu überlassen. Wir empfehlen, den Folgen der Krise mit einer Kombination aus wirtschaftlicher Unterstützung, sozialer Abfederung der Krisenfolgen und Stärkung lokaler Regierungsfähigkeit zu begegnen. Angesichts der durchlässigen heutigen Grenzen sind Gewaltpotenziale auch in geostrategisch nachrangigen Staaten ernst zu nehmen. Wir plädieren deshalb für den Aufbau robuster staatlicher Institutionen – was passiert, wenn das versäumt wird, ist dieser Tage in Afghanistan zu beobachten.
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