von AlexanderGast am Mo 15. Feb 2010, 12:18
Hallo,
sich der Shoa aus Tätersicht zu nähern, hat bisher nur ein Autor, der französische Schriftsteller Littell mit seinen "Die Wohlgesinnten", gewagt. Nun schob im vergangenen Jahr Volker Altwasser seinen Roman "Letzte Haut" nach. Er lässt hier einen "SS-Richter" in deutschen KZ's ermitteln, und zwar gegen "SS-Angehörige" wegen Korruption und Mordes, dieses 1943/44 also mitten im Holocaust. Der "Held" des Romans heisst Dr. Schmelz bei Altwasser, der wirkliche Name des "SS-Richters" war Dr. Konrad Morgen, die Ermittlungen gab es auch. Das Buch wird hefitg diskutiert.
@Mods, da ich nicht weiss, ob Verlinkungen hier im Forum erwünscht sind, unterlasse ich es einfach und vertraue auf die Intelligenz der Forianer zu recherchieren.
Im Gegensatz zu dem Protagonisten bei Littell, Max Aue, ist der "Held" bei Altwasser ein übler Bürokrat. Er ermittelt in den KZ's im Angesicht des Todes und des Leides unberührt, sein einziges Ziel ist es, Karriere zu machen. Kleinbürgerliches Karrierestreben in der Schnittmenge mit totalitären und verbrecherischen Regimeinteressen - ein Lehrstück.
Das Ganze ist packend geschrieben und aus meiner Sicht ziemlich gut recherchiert.
Alex