die didaktik ist an allen 4 orten unterschiedlich.
in buchenwald gibt es verschiedene möglichkeiten für den besucher. entweder, er nimmt an einer normalen führung teil, die meistens ca.2 stunden dauert. da wird man dann an die wichtigsten orte geführt, bzw. an orte, die man sehen möchte. man kann also mit entscheiden, ob man beispielsweise das krematorium sehen möchte. (da dieses so berühmt ist, ist es jedoch in der regel in der führung mit drin, ausgenommen, es sind kleine kinder dabei). danach geht es in die ausstellung.
für grössere gruppen gibt es dann die möglichkeit, einen studientag zu buchen. das kostet nicht viel und dann kann man sich das gelände richtig ansehen und auch selbst etwas machen. beispielsweise mit einer schulklasse in die werkstatt gehen und dort mehr über die arbeit von historikern an solchen orten lernen.
die baracken dort wurden nicht wieder aufgebaut, nicht eine einzige. man hat lediglich kleine mäuerchen errichtet, um die umrisse deutlich zu machen.
grund ist, dass man buchenwald nicht zu einem erlebnispark machen möchte. es ist also relativ wenig inszeniert.
das einzige ist im ehemaligen lagergefängnis, wo man die wachstube so dargestellt hat, als sei die wache nur kurz mal weg. also "deine ehre heisst treue" an der wand und allerlei alltagskrimskrams im raum.
der pädagogische leiter ist pazifist, was man auch an der zielsetzung der gedenkstätte sieht, die nicht mehr wie in ddr-zeiten als gedenkstätte für den wiederstand gegen den faschismus/kapitalismus/militarismus dient, sondern zu zivilcourage und frieden erziehen soll. die kommende ausstellung wird sich daher auch mit handlungsspielräumen befassen und beispielsweise schülern die frage stellen, wer denn auf solchen bildern:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 1204180628 http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 1005123749 handlungsspielräume hatte, also etwas dagegen tun könnte und warum die leute es nicht getan haben.
die ausstellung ist seht detailliert, wäre gerne noch länger da gewesen. dort wurden auch einzelschicksale kurz erwähnt, meistens jedoch wurde auf einzelne opfergruppen und deren geschichte eingegangen.
in mittelbau-dora hat man erstmal gar nicht den eindruck, in einem ehemaligen KZ zu sein, da das halbe lagergelände (wie damals auch) von wald überwuchert ist.
dort beschäftigt man sich vor allem mit 3 themen: zum einen mit den gründen der einrichtung solcher arbeitslager. da wird dann der "totale krieg" thematisiert und seine wirtschaftliche komponente. darüber kommt man dann zum zweiten thema, zu den firmen, die in jedem städtchen ansässig waren und zwangsarbeiter in ihrem betrieb einsetzten. ausserdem geht es natürlich um die rüstungswirtschaft, da dort ja vor allem die mittelwerke tätig waren.
ein drittes, sehr starkes thema ist der lageralltag und die sache mit den funktionshäftlingen, die oft noch verhasster waren als die nazis. da wurde dann diskutiert, ob jemand täter oder opfer ist, wenn er zwar von der SS prügel oder tod angedroht bekommt, aber auf der anderen seite andere häftlinge verprügelt oder (in der schreibstube) ins gas schickt, um seine freunde zu retten.
dort hat man ebenfalls die gebäude nicht mehr aufgebaut, noch weniger, als in buchenwald, was dem ganzen einen flair einer verfallenen atztekenstadt verleiht. man hat jedoch eine barracke nachgebaut, da viele besucher sich erkundigt hatten.
viel zeit geht dann natürlich auch für den stollen drauf. dort wird dann didaktisch eigentlich wenig getan, es wird vor allem die gelegenheit gegeben, zu beobachten. und wenn man einen stollen sieht und hört, dass dort pro schicht 1000 leute geschlafen haben und dass viele von diesen das licht nie wieder sahen und dass man nichtmal toiletten für die tausenden häftlinge hatte, stellt sich von selbst eine wirkung ein.
in breitenau, wie gesagt, macht man das alles sehr künstlerisch. dort hat an der ausstellung ein (oder mehrere, das weiss ich jetzt nicht mehr) künstler mit gearbeitet. dementsprechend ist auch vieles in den ausstellungsräumen eher künstlerisch. die hauptthematik ist, dass in diesem kleinen kaff in der schwalm gelitten und gestorben wurde und dass die leute aus dem dorf sonntags ins lager in die kirche gingen und dort mit den häftlingen zusammen den gottesdienst feierten.
es geht also in erster linie um eine wiederlegung der kollektivlüge "wir haben ja nichts gewusst". breitenau ist vor allem, habe ich den eindruck, für schulklassen ausgelegt, da das auch das grösste klientel ist.
weiterhin geht es in streifzügen noch um KZ-geschichte allgemein und man lernt einige einzelschicksale aus der gegend kennen, die teils dort starben, teils überlebten, teils in vernichtungslager deportiert wurden.
grundsätzlich geht es um die darstellung, dass freud und leid, gut und böse nebenher existiert haben. wie eben in der kirche, wo der pfarrer von nächstenliebe sprach, während im gefangenentrakt verhärmte, ausgehungerte und misshandelte menschen sassen, die oft ohne grund eingesperrt waren.
dargelegt werden auch die gründe, aus denen eingesperrt wurden, indem man dort einige akten einsehen kann.
interessant ist auch, dass breitenau nach dem krieg weiter genutzt wurde als ein lager für gefallene mädchen, das erst durch die berichterstattung über die dort vorherschenden zustände von ulrike meinhoff aufgelöst wurde. noch heute ist es eine psychiatrische einrichtung.
ebenso ist hadamar noch heute eine psychiatrische einrichtung. dort hat man ebenfalls sehr wenig rekonstruiert, ausser einem schuppen, in dem die busse mit den opfern ankamen.
da wir eine führung mit einer dame hatten, die aus der ecke der theaterpädagogik kam, fing unsere führung dementsprechend mit einer übung an, um den geist zu entleeren und erstmal seelisch an diesem ort anzukommen und sich zu beruhigen.
dort legt man wert darauf, viele einzelschicksale zu zeigen und deren weg über verschiedene zwischenlager nach hadamar. man zeigt auch, dass die ärzte und pfleger keineswegs gezwungen wurden, an der euthanasie teil zu nehmen, sondern das freiwillig taten und sogar noch als gute tat sahen.
besonders eindrucksvoll war es für mich, in der gaskammer zu stehen.
in hadamar legte man viel wert auf diskussion, auch darüber, wie aktuell das thema durch die sterbehilfe-diskussion ist, da damals ja auch nur gesagt wurde, dass den menschen ein menschenunwürdiges leben erspart wurde. in der ausstellung wird dargelegt, aus welchen gegenden die menschen nach hadamar kamen und wie sie starben. besonders interessant fand ich, dass das personal, also die pfleger und schwestern und die ärzte, namentlich alle genannt wurden und dass aufgezählt wurde, zu welchen strafen sie nach 45 verurteilt wurden (leider oft viel zu kurz!).
ausserdem wurde natürlich auch thematisiert, dass in einem kleinen ort wie hadamar sämtliche einwohner wussten, was dort los war. beispielsweise erzählte unsere führerin von einer zeitzeugin, die damals kind war und sagte, dass ihre mutter in den jahren damals die wäsche drinnen trocknete, da es draussen oft den ganzen tag stank.
ziel des konzeptes ist, in erster linie an ein kapitel der NS-rassenidiologie zu erinnern, das heute teils in vergessenheit geraten ist. aber natürlich geht es dann auch um die frage, wie eine gesellschaft mit den schwächsten der schwachen umgehen sollte und ob es gerechtfertigt ist, menschen zu vernichten, nur weil sie ein leben lang geld kosten.