von gandalf am So 13. Jun 2010, 22:01
@autonom denkender:
ich finde solche vorgänge auch abscheulich.
und ich will mit menschen, die solches handeln für richtig halten auch nichts zu tun haben. aber was ich noch abscheulicher finde, ist die politik der europäer und amerikaner: zuerst stürzt man die taliban in einem jahrelangen krieg (der der westlichen kriegswirtschaft einen erheblichen batzen steuergeld in die firmenkassen spülte!), anstatt eine langfristig angelegte vernünftige entwicklungspolitik zu unterstützen.
ok, die taliban sind verbrecher und auch einfach krank. aber nun, wo die waffenlobby genug verdient hat, führt man mit den taliban gespräche und es kommen töne von unserer regierung nach dem motto "man muss die taliban in den politischen prozess einbinden".
wie in vietnam warte ich auf die bilder vom letzten us-hubschrauber, der vom dach der botschaft in kabul startet und hamid karsais marionettenregierung auf sich allein gestellt lässt. ist ja schon bald so: alle wollen raus aus afghanistan, das örtliche militär und die polizei werden aufgerüstet - ist ja klar, was jahrelang spezialeinheiten und experten aus europa und amerika nicht schafften, die taliban zu zerschlagen, sollen nun unterbezahlte polizisten erledigen, von denen die meisten nichtmal lesen können.
ziel ihrer ausbildung ist doch nur, dass der westen rückendeckung für seinen rückzug hat und sich nicht schämen muss - war der einsatz doch ein voller erfolg. man hat eine regierung aufgebaut, eine armee und eine polizei.
dass diese organisationen allesamt von korruption und vetternwirtschaft durchwachsen sind, wird verschwiegen. und wenn unsere "jungs" dann raus aus afghanistan ist, können die taliban auch wieder zur tagesordnung übergehen und die polizei und das militär zusammenschiessen oder in die luft jagen.
was ich damit sagen will: in manchen ländern gehören bestimmte strukturen nunmal seit einigen jahren einfach dazu. in afghanistan sind es seit den 80ern die mudjaheddin, später die taliban, aber generell der krieg. seit dem einmarsch der UdSSR hat sich für den normalen afghanen wenig getan. es gibt immernoch warlords.
dieser entwicklung hätte man entgegenwirken müssen mit bildung! es ist historisch nachgewiesen (und auch noch logisch), dass menschen, die lesen und schreiben können überhaupt dazu in der lage sind, ihre rechte zu kennen und das bei analphabeten nunmal die gefahr besteht, dass sie sie nicht kennen.
anstatt also auf den islam zu schimpfen solltest du eher dafür eintreten, dass die bundesregierung ihre entwicklungshilfe nicht noch weiter kürzt. den die analphabetischen kinder von heute sind es, die in 10 oder 20 jahren nichtmal wissen, was menschenrechte überhaupt sind.
und ich stimme auch ebru zu. es gibt im christentum auch immer wieder menschen, die ihre kinder und sich selbst plötzlich grundlos töten.
trotzdem gehören solche "familiendramen" nicht essenziell zum christentum. auch, wenn einige von ihnen sogar an weihnachten passieren oder der täter christliche motive haben sollte.
bei solchen ehen liegt es doch auch an der bildung: die eltern tun, was schon ihre eltern getan haben. und die kinder hören zu, wie man es ihnen gelehrt hat.
was sie brauchen, sind schulen und vernünftige lehrer, die ihnen etwas über ihre rechte beibringen.
aber in ländern wie beispielsweise saudi-arabien ist das schwer möglich, da dort frauen schon von staatswegen diskriminiert werden. aber liegt das am islam? warum hat dann beispielsweise die türkei gesetze, die die frau keineswegs diskriminieren? oder bosnien-herzegowina?
der grund für diese lage in saudi-arabien ist die regierung durch eine feudalistische oberschicht, die nur durch massive hilfe der USA und europas an der macht bleiben kann, die diese hilfe mit öl bezahlt und die durch ihr eigenes verständniss als altertümliche königsdynastie auch altertümliche gesetze erlässt und für menschenrechte und demokratie genausoviel übrig hat, wie ein absolutistischer herrscher im europa des 18. jahrhunderts.