Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Ideologie, Religion, Wirtschaft

Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon redaktion am Mi 23. Dez 2009, 09:44

www.wikinews.de berichtet:

Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Lahore (Pakistan), 22.12.2009 – Ein pakistanisches Gericht verurteilte zwei Männer zu einer körperlichen Verstümmelung. Ihnen sollen Ohren und Nasen abgeschnitten werden. Die Strafe erfolgt für eine gleiche Tat, die die beiden Angeklagten im September an einer Cousine verübt hatten. Damit folgt das Gericht der islamischen Rechtstradition der Schari'a, die sich an dem auch aus dem Alten Testament bekannten Grundsatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ orientiert. Außerdem wurde eine finanzielle Entschädigung für das Opfer in Höhe von umgerechnet 5.800 Euro, eine Geldstrafe von umgerechnet 2.500 Euro sowie eine lebenslange Haftstrafe gegen die beiden Täter verhängt.
Die beiden Männer hatten ihrer Cousine auf dem Nachhauseweg von der Arbeit aufgelauert. Dann legten sie eine Schlinge um ihren Hals und schnitten ihr beide Ohrmuscheln sowie die Nase ab. Die Eltern der jungen Frau hatten ihre Einwilligung zu einer Heirat ihrer Tochter mit einem der beiden Angeklagten verweigert. Wie berichtet wird, sei die Mutter des Opfers beim Anblick ihrer verstümmelten und blutenden Tochter vor Schreck gestorben.
Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. Bisher wurden ähnliche Urteile, die solche drakonischen Strafen in der Rechtstradition der Schari'a vorsahen, selten wirklich vollstreckt.
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Malaysias Glaubenskrieger

Beitragvon redaktion am Fr 8. Jan 2010, 14:25

Nachdem das Oberste Gericht Malaysias entschied, dass auch eine katholische Wochenzeitung das Wort "Allah" drucken dürfe, solle es zu Gewaltaufrufen und Brandanschlägen auf christliche Kirchen in Kuala Lumpur gekommen sein. Den Christen werde vorgeworfen, durch die Verwendung des Begriffs "Allah" für den Gott der Christen Verwirrung zu stiften.
Verteidiger der Gerichtsentscheidung weisen darauf hin, dass "Allah" in der Nationalhymne vorkommend folglich Allgemeingut aller Bürger Malaysias sei und auch in den religiösen Praxen von Hindus und Sikhs Verwendung finde.

Im Koran 5:48 heißt es: "Und wenn Allah es gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern."

Einige Muslime machen solchen Wetteifer zu brennendem Eifer.
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Widersprüche der "Intoleranten"

Beitragvon redaktion am Di 9. Feb 2010, 14:07

Der Artikel war mit "Plädoyer für die Intoleranz" getitelt. Da solche Artikel nicht auch noch in unseren Projekten toleriert werden müssen, wanderte er in den Papierkorb. Nun beschwert sich der Autor über die Intoleranz.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Justin am Di 18. Mai 2010, 02:35

Nase um Nase Ohr um Ohr! Völlig richtig! sollte sich unsere Justiz ein Beispiel dran nehmen!
Justin
 

Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon lenilein1 am Mo 14. Jun 2010, 15:13

Wirklich, solche Nachrichten verstärken ja wirklich nur die Intoleranz und Vorurteile gegenüber gewissen Glaubensgemeinschaften. Als ob es nicht schon genug Konflikte gäbe. Man sollte nicht immer nur das negative einer Kultur heraus picken und den anderen Leuten unter die Nase reiben, sondern zuerst einmal die Kultur als ganze kennen lernen.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Philosofiesta am Mo 14. Jun 2010, 15:20

Ich finde das Strafmaß auch OK.
Allein bei der Vorstellung das mir jemand sowas antut krieg ich Angst. Wenn man dann auch noch liest welche Beweggründe der Tat zugrunde liegen kann man dieses Strafmaß nur unterstützen.
Wer derart mit anderen Menschen umgeht hat es auch verdient eine solch Harte Strafe zu bekommen.
Ich weiß nicht genau welches Strafmaß in Deutschland gelten würde, aber mit Sicherheit wären die Täter nach einigen Jahren wieder draussen während das Opfer sein Leben lang enstellt bleibt, was unweigerlich schlimme psychische Konsequenzen hat.
In diesem Sinne kann ich Justin nur zustimmen.
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Auge um Auge, Zahn um Zahn

Beitragvon redaktion am Mo 14. Jun 2010, 16:23

Justin hat geschrieben:Nase um Nase Ohr um Ohr! Völlig richtig! sollte sich unsere Justiz ein Beispiel dran nehmen!

Hast du dir das gut genug überlegt? Möchtest du dem Verurteilten Nase oder Ohren abschneiden?

Das primitive Rechtsprinzip "Auge um Auge" setzt einen Menschentyp auf der Richterseite voraus, der sich hinsichtlich der Brutalität und Perversität in nichts vom Straftäter unterscheidet.

Ganz abgesehen davon, dass niemals ein Justizirrtum ausgeschlossen werden kann.

>> http://www.unsere.de/auge_um_auge.htm
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Juli am Mi 7. Jul 2010, 16:00

Jesus von Nazareth: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist ´Auge um Auge, Zahn um Zahn`. Ich aber sage euch ... ´Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dem biete die andere auch dar`."

Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.
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Strafmaß und Strafvollstreckung

Beitragvon Philosofiesta am Di 27. Jul 2010, 17:58

Hast du dir das gut genug überlegt? Möchtest du dem Verurteilten Nase oder Ohren abschneiden?


Da sprichst du natürlich einen wahren Punkt an, ich für meinen Teil bin wohl nicht zum Henker geboren.
Doch zu allen Zeiten gab es Menschen die bereit waren diese "Pflicht" zu erledigen, häufig auch in Fällen die nicht so eindeutig gelagert waren wie dieser, traurig aber wahr.

Was bleibt ist die Frage nach einem gerechten Strafmaß, unabhängig davon wer es vollstreckt. Denn diese Frage kann nicht ausschlaggebend für das Strafmaß sein finde ich.

Wie würdest du eine derart grausame Tat bestrafen?

Auge um Auge oder die andere Wange? Oder irgendwo dazwischen oder ganz woanders?

Es ist eine heikle Frage, ohne Zweifel, doch du wirst wohl kaum vorschlagen wollen daß sich das Opfer weitere Körperteile entfernen lassen soll.

Ich tue mich auch schwer ein faires Maß zu finden, daher habe ich Verständnis für die Forderung Auge um Auge, denn dies wäre ein Strafmaß welches im direkten Bezug zur Tat stünde.
Andernfalls sollten die Täter bis zu ihrem Tode eingesperrt werden denke ich.

Es ist schwer zu richten wenn man selbst nicht ohne Sünde ist, doch der hier thematisierte Fall ist an Grausamkeit wohl nur noch durch "SAW" zu überbieten. Allein die Vorstellung so zum Opfer zu werden finde ich furchtbar.

Wie also würdest du Entscheiden? Hast dir doch bestimmt auch schon Gedanken dazu gemacht, oder?
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Re: Strafmaß und Strafvollstreckung

Beitragvon redaktion am Do 29. Jul 2010, 12:06

Philosofiesta hat geschrieben:Was bleibt ist die Frage nach einem gerechten Strafmaß, ...

Gerecht ist, was Gerechtigkeit wahrt oder schafft. Gerechtigkeit ist ein positiver Wert, weshalb nur gerecht sein kann, was die gesellschaftlichen Verhältnisse verbessert.
http://unsere.de/gerechte_strafe.htm

Philosofiesta hat geschrieben:... Strafmaß, unabhängig davon wer es vollstreckt.

Sobald sich der Zweck vom Mittel moralisch unabhängig zu machen versucht, verkommt er.

Und wenn die Durchführung nicht Teil eines Plans sein müsste, wäre es kein Plan, sondern nur schlechter Roman.

Philosofiesta hat geschrieben:Doch zu allen Zeiten gab es Menschen die bereit waren diese "Pflicht" zu erledigen, häufig auch in Fällen die nicht so eindeutig gelagert waren wie dieser, traurig aber wahr.

Weil es "traurig, aber wahr" ist, darf man keine Gesetze machen, die solche Strolchereien perpetuieren.

Philosofiesta hat geschrieben:Wie würdest du eine derart grausame Tat bestrafen?

Schon mal nicht nach dem Prinzip "Gleiches mit Gleichem vergelten", wie ich auch einen Vergewaltiger nicht vergewaltigen würde. Unser Strafrecht und Recht geht da bessere Wege: Freiheitsstrafe, Schmerzensgeld, Ersatzpflichtigkeit für die bei ihrem Opfer erforderliche Gesichtschirurgie.

Philosofiesta hat geschrieben:... oder die andere Wange? ... du wirst wohl kaum vorschlagen wollen daß sich das Opfer weitere Körperteile entfernen lassen soll.

Die Aufforderung, die andere Wange hinzuhalten, ist ein weit über das Christentum hinausgehender, moralischer Appell, die eigene Leidensfähigkeit zu erhöhen, um zu deeskalieren, nicht den Sinn hat, weitere Straftaten zu provozieren = Menschen in Unrecht zu verstricken, sondern ihnen ihr Unrecht bewusst machen soll.

Philosofiesta hat geschrieben:Ich tue mich auch schwer ein faires Maß zu finden, daher habe ich Verständnis für die Forderung Auge um Auge, denn dies wäre ein Strafmaß welches im direkten Bezug zur Tat stünde. ... Wie also würdest du Entscheiden? Hast dir doch bestimmt auch schon Gedanken dazu gemacht, oder?

Na, fast immer. Und die Schwierigkeit ist nicht bestritten, zumal aus der Opferperspektive strafende Rache und Wiedergutmachung im Vordergrund stehen, weniger die allgemeinen Wertungen, um die sich die Gesellschaft zu mühen hat. Aber die Opferperspektive ist aus guten Gründen nicht die herrschende Perspektive zivilisierten Rechts, weshalb bei uns das Opfer nicht Richter ist, sondern Zeuge und allenfalls Nebenkläger.

Gleichwohl bleibt jedem Straftäter vor seiner Verhaftung das Risiko der Lynchjustiz, eben davon abhängig, von wem er erwischt wird. Da kann der Kratzer am Autolack genügen, und der Täter wird erschlagen. Nur darf eben eine zivilisierte Gesellschaft die Lynchjustiz nicht zulassen, gutheißen usw.

Philosofiesta hat geschrieben:Andernfalls sollten die Täter bis zu ihrem Tode eingesperrt werden denke ich.

Wenn Strolche mir zehntausende Postings hacken, also projekt-investierte Lebenszeit stehlen, würde auch ich ihnen gern auch darüber hinaus noch Lebenszeit nehmen - desgleichen mit den Spammern, die uns hier im Forum täglich Zeit stehlen, denn ihre Zeit ist mir spontan empfunden "lebensunwerter" als meine, aber genau mit solch Ansatz machte schlechtes Tun und schlechte Erfahrung deutsche und internationale Geschichte, wie überdies Groll kein Maßstab sein kann, zumal es auch kein Rezept für die Opfergenesung ist.

Das hier gescholtene, pakistanische Urteil scheint immerhin bestrebt, schlechte Traditionen zu ächten, allerdings befangen in ebenfalls schlechter Rache-Tradition. Um die humanistischen Kräfte in Pakistan zu unterstützen, braucht es internationale Kritik, internationalen Dialog mit Pakistan. Mein Anliegen darin, nicht Pakistan, sondern schlechte Traditionen zu ächten, ist eine Gratwanderung. Bessere Politik zu machen, ist eben schwierig.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Philosofiesta am Do 29. Jul 2010, 18:39

Hallo redaktion
Ja, Recht hast du schon!

Aber welches konkretes Strafmaß schiene dir angemessen? Denn solange du nur mahnend den Zeigefinger hebst machst du es dir auch einfach, oder nicht?

Also zum Punkt, gemessen an deinen korrkten Wertungen, welche Bestrafung?
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§ 226 StGB Schwere Körperverletzung

Beitragvon redaktion am Do 29. Jul 2010, 20:12

@Philofiesta, die Spanne des § 226 StGB bietet zwischen den drei und zehn Jahren Freiheitsstrafe ausreichend Entscheidungsraum, um die individuellen Tätereigenschaften adäquat zu berücksichtigen.

§ 226 StGB Schwere Körperverletzung.

(1) Hat die Körperverletzung zur Folge, daß die verletzte Person

1. das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert,
2. ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann oder
3. in erheblicher Weise dauernd entstellt wird
oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt,

so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

(2) Verursacht der Täter eine der in Absatz 1 bezeichneten Folgen absichtlich oder wissentlich, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.

(3) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 2 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon gandalf am So 1. Aug 2010, 13:16

hm, die strafe klingt aus europäischer sicht etwas grausam.
aber das rechtssystem in pakistan hat sich nunmal anders entwickelt, als hier.
ich glaube nicht, dass man von pakistanern erwarten kann, dass sie in ihrem eigenen land europäisches recht einführen. ebensowenig werden wir doch die scharia einführen, nur weil irgendwo irgendwelche leute meinen, es sei richtig.
etwas anderes sind natürlich die menschenrecht und das recht auf körperliche unversehrtheit. aber die menschenrechte sind im grunde auch eine erfindung des westens, um nach der dekolonisierung noch macht auf den rest der welt auszuüben.
was nicht heisst, dass sie schlecht sind.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon redaktion am Mo 2. Aug 2010, 14:46

gandalf hat geschrieben:ich glaube nicht, dass man von pakistanern erwarten kann, ...

Dein Glaubenssatz beruht entweder auf fehlender Überzeugung gegen das Verbot der Strafamputationen oder auf der Mutmaßung, die Pakistaner seien zu bescheuert, um solchen Auffassungswandel nachzuvollziehen.

gandalf hat geschrieben:dass sie in ihrem eigenen land europäisches recht einführen. ebensowenig werden wir doch die scharia einführen, nur weil irgendwo irgendwelche leute meinen, es sei richtig.

Möglicherweise glaubst du, dass auch die 127 Mio. Japaner und 1,3 Mio. Chinesen, die australischen Ureinwohner usw. nicht ohne europäische Mission zum Amputationsverbot gekommen sind.

Dem politischen Fortschritt war stets am abträglichsten, wenn der Diskurs mit den Argumenten der Rückschrittlichsten geführt wurde, wie du hier die Extrempositionen einander verfeindeter Politik referierst, als gebe es in Pakistan nicht Millionen Menschen, die wie wir gegen archaisches Recht argumentieren, als seien die Pakistaner nur für Sony-Spielkonsolen zu haben (kommt übrigens nicht aus Europa, sondern Japan) und nicht auch für menschenrechtlichen Fortschritt.

gandalf hat geschrieben:die menschenrechte sind im grunde auch eine erfindung des westens, um nach der dekolonisierung noch macht auf den rest der welt auszuüben.

@Gandalf, so blöd steht das in keinem Schulbuch, allenfalls in Propagandaschriften von Taliban und Evangelikalen.

gandalf hat geschrieben:was nicht heisst, dass sie schlecht sind.

Wenn Menschenrechte der Menschenunterdrückung dienen dürften/könnten, wären sie sehr wohl schlecht.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon gandalf am Di 3. Aug 2010, 17:06

hallo sven,

Dein Glaubenssatz beruht entweder auf fehlender Überzeugung gegen das Verbot der Strafamputationen oder auf der Mutmaßung, die Pakistaner seien zu bescheuert, um solchen Auffassungswandel nachzuvollziehen.


weder noch. er beruht darauf, dass etwas, was ICH in MEINER kultur mit MEINEM horizont für falsch halte, nicht unbedingt jeder andere auf der welt auch für falsch halten muss.
die pakistaner haben zwar pech, weil sie keine demokratische regierung haben, aber ebenso, wie wir nichts gegen die todesstrafe in den USA machen können, könnten wir auch nichts dagegen machen, wenn ein demokratischer staat amputationsstrafen durchführen würde, ausser uns zu mockieren und zu freuen, dass es hier eine andere sicht der dinge gibt.
daraus, dass es keine grossen proteste in pakistan gegen solche strafen gibt, schliesse ich, dass die mehrheit der bevölkerung denkt "richtig so".
das ist beschränkt und aus westlicher sicht dumm. aber aus muslimischer sicht ist es die richtige gerechtigkeitsauffassung.

die lösung des problems wäre es, alle pakistaner in lager zu stecken und sie um zu erziehen. ihnen zu erzählen, dass sie das denken und glauben müssen, was wir denken und glauben. aber das ginge wiederrum gegen unsere prinzipien.

Möglicherweise glaubst du, dass auch die 127 Mio. Japaner und 1,3 Mio. Chinesen, die australischen Ureinwohner usw. nicht ohne europäische Mission zum Amputationsverbot gekommen sind.


das amputationsverbot ist ja nichts rein europäisches. in manchen rechtssystemen hat es sich nunmal entwickelt, in anderen nicht.
ich mag nicht, dass mir ein pakistaner sagt, dass unser rechtssystem falsch ist, weil man die täter doch mit ein paar monaten oder jahren viel zu leicht davon kommen lässt. wie soll denn einer die härte seines vergehens spüren, wenn er nichts am eigenen leib spüren muss?
ich bin froh, dass ich in einem land lebe, in dem es keine körperstrafen gibt. nur pakistan "von aussen" rein zu reden ist nunmal undemokratisch.

Dem politischen Fortschritt war stets am abträglichsten, wenn der Diskurs mit den Argumenten der Rückschrittlichsten geführt wurde, wie du hier die Extrempositionen einander verfeindeter Politik referierst, als gebe es in Pakistan nicht Millionen Menschen, die wie wir gegen archaisches Recht argumentieren, als seien die Pakistaner nur für Sony-Spielkonsolen zu haben (kommt übrigens nicht aus Europa, sondern Japan) und nicht auch für menschenrechtlichen Fortschritt.


mag ja sein, dass viele pakistaner sich langsam ändern und sehen, dass derartige strafen falsch sind. dem wäre aber grade abgeneigt, würde die EU oder die USA mit dem diplomatischen finger wackeln. das wäre nämlich nichts anderes als kolonialismus und würde die pakistaner wohl eher gegen uns aufbringen, als gegen solche gesetze.

@Gandalf, so blöd steht das in keinem Schulbuch, allenfalls in Propagandaschriften von Taliban und Evangelikalen.


dann betrachte dir doch mal die tatsachen! http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte#Chronologie
bis 1948 stehen in dieser liste nur dinge, die europa oder den mittelmeerraum betrafen.
und die allgemeine erklärung der menschenrechte war eine reaktion auf den 2. weltkrieg, wie die gründung der vereinten nationen eine reaktion auf den 1. weltkrieg war.

in den meisten kulturen hatte jeder mensch bestimmte rechte als untertan oder bürger. aber nur die europäische ist so bestrebt darin, allgemein gültige rechte zu formulieren. das ist, mit blick auf die blutige und inhumane europäische geschichte (und auch die teilweise nicht so humande gegenwart) aussergewöhnlich.

Wenn Menschenrechte der Menschenunterdrückung dienen dürften/könnten, wären sie sehr wohl schlecht.


dann sollten sie wohl abgeschafft werden. denn das hauptargument der USA für den einmarsch in afghanistan und irak waren ja die menschenrechte. gäbe es diese nicht, hätte auch niemand über saddams angebliche a-bombe oder über osama und die bösen taliban nachgedacht, da es ja keine westliche weltauffassung gäbe, die diese in frage stellen würden.

aber ich will trotzdem nicht auf menschenrechte verzichten, weil sie mir hier in deutschland ganz gewisse vorteile bringen. allerdings bin ich auch nicht so naiv, zu glauben, dass die bundesregierung nach aussen als vertreter der menschenrechte eintritt. sonst hätte man die handelsbeziehungen mit den meisten staaten schon abbrechen müssen.
aber um exportweltmeister zu bleiben, muss man den abnehmern eben in den symbolischen hintern kriechen.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Philosofiesta am Mi 4. Aug 2010, 18:10

Ja, da stimme ich Gandalf in weiten Zügen zu.

Wir können uns zwar Gedanken dazu machen, doch anderen unsere Überzeugung aufzuzwingen, das ist wohl eher der verbrecherische Pseudoweg der USA!

Aber zum Thema Menschenrechte können wir uns auch in Europa genug Gedanken machen, denn mit der neuen EU-Verfassung werden die Menschenrechte durch Hintertüren zum Teil massiv beschnitten und teilweise ausser Kraft gesetzt.

Das ist keine gute Basis um anderen Vorhaltungen zu machen.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon gandalf am Mi 4. Aug 2010, 21:30

da muss man gar nicht die verfassung ansprechen. die aktuelle EU-politik läuft auf wirtschaftskriege mit unseren nachbarn hinaus.
was glaubt ihr, warum alle staaten in die EU wollen? sie wollen endlich auch fairen wettbewerb ohne EU-einfuhrzölle und ohne EU-subventionen für eigene produkte.

seht es euch im film we feed the world an. die EU "schützt" ihre landwirte so sehr, dass diese nach westafrika exportieren und die landwirtschaft dort durch billigobst und -gemüse aus spanien ruinieren. und die armen landarbeiter, die dann in die EU wollen, werden in marokko in lager eingesperrt und allzu oft in der wüste ausgesetzt.

wir beschweren uns über den schutzzaun in israel oder über den zwischen den usa und mexiko, aber die enklaven ceuta und melilla gleichen festungen.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Philosofiesta am Do 5. Aug 2010, 19:37

Da hast du warscheinlich recht, doch der Zaun in Israel halte ich für etwas anderes (Gaza Streifen = größtes Gefängnis der Welt) als USA-Mexiko oder die in den Enklaven. Aber ich weiß was du meinst.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon gandalf am Do 12. Aug 2010, 18:16

ich sehe da im grunde keinen unterschied. und das grösste gefängnis der welt ist aus meiner sicht immernoch nordkorea. :mrgreen:

ich meine, der zaun in den USA wurde gebaut, um menschen abzuhalten. was mit den menschen in mexiko passiert, ob die in der ciutad de juarez abgeschlachtet werden oder elend verhungern, interessiert die US-regierung nicht. ist ja auch nicht ihr bier, sondern das der mexikanischen.
in der EU ist es auch so. dass die armen schwarzen auf den booten zu hunderten absaufen oder von den marokkanern zum sterben mitten in der wüste ausgesetzt werden, ist uns hier egal, solange sie nur nicht auf unseren arbeitsmarkt kommen und ihn ruinieren, da sie ja für ein apfel und ein ei arbeiten würden.
die humanitäre verantwortung wird an marokko "outgesourct".

und in israel ist es doch ähnlich. kein mensch kann mir sagen, dass er milliarden ausgibt, um eine mauer zu errichten, um ein paar raketen pro jahr abzuhalten, die irgendwo in unbewohnten gebieten runter gehen. bei diesem zaun geht es doch um andere sachen: zum einen festigt israel dadurch neue grenzen zur westbank, nach denen es mal flott einen grösseren geländegewinn macht. zum zweiten werden verkehrswege, also autobahnen, vor heckenschützen geschützt und zum dritten wird der unkontrollierte zuzug von arbeitskräften vom westjordanland nach israel unterbunden.
und das ist doch alles sehr schön aus sicht der israeli: denn letzteres führt dazu, dass die arbeitslosenquote sinkt.

und was mit den menschen in gaza und in der westbank passiert, interessiert israel keinen deut. aber warum kritisieren wir europäer das? amerika macht es doch in mexiko genauso! und wir in nordafrika auch. dass die regierungen in gaza und in palästina derart unfähig und korrupt sind, dass sie ihr eigenes volk verhungern lassen, dafür kann doch israel auch wenig. ok, es werden hilfslieferungen vorenthalten und ja, israel könnte humaner agieren.
aber ich will nicht wissen, wieviele menschen schon sterben mussten, weil die EU sich derart abschottet.

und da müssen wir wirklich erstmal vor der eigenen türe kehren.
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Re: Pakistanisches Gericht: Nase um Nase, Ohr um Ohr

Beitragvon Gast am Fr 13. Aug 2010, 09:47

@ Gandalf

Derartig geballten pubertären Schwachsinn liest man selbst in diesem Forum selten!

Ich nehme einfach mal an, die Zweidimensionalität deiner Auffassungen ist Folge deiner Jugend. Mit deinen antiwestlichen Resentiments bist du hier natürlich in bester Gesellschaft. Sollte dir also zwischen einer Walfang-Demo und einem Joint mal Zeit zum Überlegen bleiben, dann denk mal darüber nach, was geschähe, würde man all die von dir erwähnten Grenzen einfach so öffnen.
Gast
 

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