von redaktion am Mo 19. Apr 2010, 12:00
Das Thema der gestrigen Anne-Will-Talkshow: "Gefallen in Afghanistan – gestorben für Deutschland?"
Nun hätte sich die Moderatorin ja mal selbst oder ihre Gäste fragen können, wer denn von ihnen bereit sei, zwischen den Mohnfeldern Afghanistans "für Deutschland zu sterben". Klare Frage, klare Antwort - das wäre nicht minder unterhaltsam und der Einschaltquote nicht abträglich, aber den Kriegsbefürwortern Dirk Niebel, Michael Wolffsohn und Kerstin Müller sollte es gemütlich bleiben.
Die sieben in den letzten Tagen getöteten Soldaten sind "nicht für Deutschland gestorben", sondern für die falsche Politik von Bush, Schröder, Fischer, Merkel und Leuten, die den Terrorismus mit Krieg erwiderten - und damit die Welt nicht sicherer machten, sondern tiefer spalteten, unsicherer machten.
"Der Krieg wurde geerbt" - Nein, mit solchen Sprüchen darf sich nur rechtfertigen, wer gegen diesen Krieg war. Die Gäste Dirk Niebel (FDP) und Kerstin Müller (GRÜNE, war Staatsministerin von Fischer) und Militärhistoriker Wolffsohn steht das nicht zu, sondern sie können "stolz" darauf sein, dass für ihre Karrieren andere Menschen mit dem Leben bezahlten. Sind sie darauf "stolz"? In einer Doku-Einblendung von der Beerdigung wollte Verteidigungsminister Guttenberg uns erzählen, dass seine "kleinen Töchter" ihn gefragt hätten, ob sie auf die getöteten Soldaten "stolz sein dürften". Wie rührend, aber auch wahr? Gesülze ohne intellektuellen Gehalt, aber dem ministeriellem.
"Die Soldaten wurden nach Afghanistan geschickt und haben einen Anspruch auf Solidarität." - Nein, Soldaten einer freiheitlichen Gesellschaft sind kein Frachtgut, werden nicht als willenlose Befehlsempfänger verschickt, sondern sind für ihr Tun mitverantwortlich. Jeder kann den Kriegsdienst verweigern und jederzeit, jedenfalls als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.
"Respekt für die Soldaten"? - Ja, aber wie für jeden Menschen, und zwar auch erkennbar werdend für die Soldateska der Taliban, sonst gibt es keinen Frieden. Wer auf die physische Auslöschung des Feindes setzt, macht sich den Taliban in deren vermeintlichen Zielsetzungen gleich, ist friedensunfähig. Diese bittere, aber eigentlich bessere Lehre hatte die Sowjetunion aus ihrem Afghanistankrieg zu ziehen, aber der erkenntnisresistente Militärhistoriker Wolffsohn lernt aus gar nichts und lehrt trotzdem.
"Mission erfolgreich zum Abschluss bringen"? - Unmöglich, auch nicht mit 300.000 Soldaten, ob 2011 oder 2013, 2017. Möglicherweise ist es möglich, sich militärtechnisch noch tiefer einzugraben, so dass es nicht zum Rauswurf kommt, aber das ist kein Erfolg, sondern kommt einer Beerdigung gleich. Und das ist die Entwicklung des Bundeswehreinsatzes der letzten Jahre.
"Politische Ziele reduzieren?" - Diese Frage kam in der Talksendung nicht, und überhaupt kommt sie zu kurz, aber wäre eine logische Erwägung. Beispielsweise Reduzierung auf Regionen, in denen mehr Sicherheit, mehr Aufbau sei. Doch auch das scheint wenig hoffnungsvoll, denn wie sähen solche Inseln westlicher Freiheitlichkeit aus der Perspektive der hiesigen Politiker und dortigen Bevölkerung aus?
"Mädchenschulen" - feine Sache. Aber auch Dieter Bohlen und ein bisschen Las Vegas? Das Erfolgskonzept von RTL und Ackermännern kommt nicht allerorten gut, denn Dekadenz setzt Überfluss voraus, sonst funktioniert es auch innenpolitisch nicht friedlich.
Das Thema der gestrigen Anne-Will-Talkshow: [i]"Gefallen in Afghanistan – gestorben für Deutschland?"[/i]
Nun hätte sich die Moderatorin ja mal selbst oder ihre Gäste fragen können, wer denn von ihnen bereit sei, zwischen den Mohnfeldern Afghanistans "für Deutschland zu sterben". Klare Frage, klare Antwort - das wäre nicht minder unterhaltsam und der Einschaltquote nicht abträglich, aber den Kriegsbefürwortern Dirk Niebel, Michael Wolffsohn und Kerstin Müller sollte es gemütlich bleiben.
Die sieben in den letzten Tagen getöteten Soldaten sind[b] "nicht für Deutschland gestorben"[/b], sondern für die falsche Politik von Bush, Schröder, Fischer, Merkel und Leuten, die den Terrorismus mit Krieg erwiderten - und damit die Welt nicht sicherer machten, sondern tiefer spalteten, unsicherer machten.
[i][b]"Der Krieg wurde geerbt"[/b][/i] - Nein, mit solchen Sprüchen darf sich nur rechtfertigen, wer gegen diesen Krieg war. Die Gäste Dirk Niebel (FDP) und Kerstin Müller (GRÜNE, war Staatsministerin von Fischer) und Militärhistoriker Wolffsohn steht das nicht zu, sondern sie können "stolz" darauf sein, dass für ihre Karrieren andere Menschen mit dem Leben bezahlten. Sind sie darauf "stolz"? In einer Doku-Einblendung von der Beerdigung wollte Verteidigungsminister Guttenberg uns erzählen, dass seine "kleinen Töchter" ihn gefragt hätten, ob sie auf die getöteten Soldaten "stolz sein dürften". Wie rührend, aber auch wahr? Gesülze ohne intellektuellen Gehalt, aber dem ministeriellem.
[i][b]"Die Soldaten wurden nach Afghanistan geschickt und haben einen Anspruch auf Solidarität."[/b][/i] - Nein, Soldaten einer freiheitlichen Gesellschaft sind kein Frachtgut, werden nicht als willenlose Befehlsempfänger verschickt, sondern sind für ihr Tun mitverantwortlich. Jeder kann den Kriegsdienst verweigern und jederzeit, jedenfalls als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.
[i][b]"Respekt für die Soldaten"?[/b][/i] - Ja, aber wie für jeden Menschen, und zwar auch erkennbar werdend für die Soldateska der Taliban, sonst gibt es keinen Frieden. Wer auf die physische Auslöschung des Feindes setzt, macht sich den Taliban in deren vermeintlichen Zielsetzungen gleich, ist friedensunfähig. Diese bittere, aber eigentlich bessere Lehre hatte die Sowjetunion aus ihrem Afghanistankrieg zu ziehen, aber der erkenntnisresistente Militärhistoriker Wolffsohn lernt aus gar nichts und lehrt trotzdem.
[i][b]"Mission erfolgreich zum Abschluss bringen"?[/b][/i] - Unmöglich, auch nicht mit 300.000 Soldaten, ob 2011 oder 2013, 2017. [i]Möglicherweise ist es möglich[/i], sich militärtechnisch noch tiefer einzugraben, so dass es nicht zum Rauswurf kommt, aber das ist kein Erfolg, sondern kommt einer Beerdigung gleich. Und das ist die Entwicklung des Bundeswehreinsatzes der letzten Jahre.
[i][b]"Politische Ziele reduzieren?[/b][/i]" - Diese Frage kam in der Talksendung nicht, und überhaupt kommt sie zu kurz, aber wäre eine logische Erwägung. Beispielsweise Reduzierung auf Regionen, in denen mehr Sicherheit, mehr Aufbau sei. Doch auch das scheint wenig hoffnungsvoll, denn wie sähen solche Inseln westlicher Freiheitlichkeit aus der Perspektive der hiesigen Politiker und dortigen Bevölkerung aus?
[i][b]"Mädchenschulen"[/b][/i] - feine Sache. Aber auch Dieter Bohlen und ein bisschen Las Vegas? Das Erfolgskonzept von RTL und Ackermännern kommt nicht allerorten gut, denn Dekadenz setzt Überfluss voraus, sonst funktioniert es auch innenpolitisch nicht friedlich.